#6: Im Zauberreich der Klarinette
Shownotes
Transkript anzeigen
00:00:01:
00:00:15: Ja, hallo.
00:00:16: Da sind wir wieder und freuen uns total auf die nächste Folge!
00:00:21: Schön, dass ihr wieder dabei seid.
00:00:23: Rael und ich?
00:00:24: Wir sind total happy.
00:00:25: Und ich weiß nicht wie es euch geht.
00:00:27: Wir haben einiges erlebt in der Zwischenzeit.
00:00:30: Ziemlich viel unterwegs.
00:00:31: Ich
00:00:32: war viel unterwegs, also zuletzt war ich in Israel unterwegs und das war auch sehr spannend!
00:00:37: Das war wirklich eine tolle Reise die wir da gemacht haben.
00:00:40: Ja
00:00:41: was hast du da gemacht?
00:00:42: Wir haben da bei einem Festival gespielt im Süden des Landes in Bersheva und haben da viel Kammermusik gemacht um den Teil des Landes wieder ein bisschen zu beleben.
00:00:53: Das war die Idee und sind dann auch in das Kibbutz gefahren, wo die Anschläge stattgefunden haben.
00:00:59: Wir haben dort nebenan gespielt in dem anderen Kibutz ein Klarinettenkintett.
00:01:04: Wir waren die Besetzung Streichquartett-Klarinette und Klavier und haben eben an verschiedenen Orten in der Nähe des Gaserstreifens auch.
00:01:15: vor allem gespielt.
00:01:16: Und es war sehr spannend und aufregend, und sehr intensiv kann man sagen.
00:01:20: Das kann ich mir vorstellen.
00:01:22: von der Besetzung her hast du gerade gesagt Clarinette, Klavier, Streichquartett ist auch eher ungewöhnlich?
00:01:30: Was gibt's denn dafür?
00:01:32: Es ist recht ungewönlich.
00:01:33: also natürlich haben wir da sehr passenderweise die hebräischen Themen gespielt.
00:01:37: das ist ein Stück von Sergei Prokofiev.
00:01:40: Genau, das ist die Overtüre über hebräische
00:01:44: Themen genau an der Besetzung für Klarinette, Streichquartett und Klavier.
00:01:49: Die passen natürlich auch wunderbar hin!
00:01:51: Ja und ich glaube da gibt es auch eine spannende Geschichte wenn man sich fragt wir kommen jetzt pro Koffee dazu für die Besetzung zu schreiben.
00:01:59: Klarinetten, Klavier-Streichquartet?
00:02:01: Ich glaube, der war da gerade in den USA angekommen.
00:02:04: Prokofiev kommt natürlich aus Russland, dann Oktoberrevolution, und alles bricht zusammen.
00:02:10: Und dann macht Prokoviev diese irre Reise über Sibirien, Japan bis Kalifornien und von dort aus nach New York – und dann weiß er erst mal gar nicht was er ... machen soll, glaube ich.
00:02:21: Und dann kommen aber Schüler von ihm aus St.
00:02:23: Petersburg und das sind genau die Musiker, die spielen nämlich Streichinstrumente, Klarinette ... und Klavieren!
00:02:29: Das sind jüdische Musiker und die haben die Idee, glaub ich, und sagen Mensch, kannst du was für uns komponieren?
00:02:34: Wann, wie sind die damals gereist?
00:02:36: Ja mit der Eisenbahn.
00:02:37: Mit der Eisenbahnen
00:02:38: nach nünzeltzehntransibirischer Eisenbahn und dann mit dem Schiff nach Japan.
00:02:42: Es ist ne lange lange Reise.
00:02:44: Wie lang war der wohl unterwegs?
00:02:45: Ja Wochen,
00:02:46: Wochen.
00:02:47: Bestimmt ja
00:02:49: Und der hat natürlich gedacht, ihm wird jetzt der rote Teppich ausgebreitet da in den USA.
00:02:53: Das war nicht der Fall und dann war er richtig glücklich dass er eben diese Aufgabe hatte sich zu beschäftigen mit hebräischen Themen.
00:03:01: das waren eben seine Schüler und die haben gesagt kannst du was für uns tun?
00:03:05: Und es waren im Prinzip Charity-Projekte auch für die, weil das deren Visitenkarte war.
00:03:10: Damit haben sie sich vorgestellt mit dieser Musik
00:03:12: und der fand's auch selber glaube ich gar nicht so großartig.
00:03:15: was er da komponiert hat ist ja ein einsetziges Stück, was aber so richtig schöne folkloristische lustige Melodien hat in der Klarinette, so'n bisschen... So Vorschläge immer so tänzerisch und
00:03:30: richtig... Wollen wir einfach
00:03:32: mal reinhören?
00:03:32: Wir lassen mal rein hören!
00:06:56: Ja, wir haben dieses schöne Stück nämlich auch bei unserem Festival dieses Jahr aufgeführt und zwar mit Sacha Rattle an der Klarinette.
00:08:40: Gabriel Adoyan hat Violine I gespielt Claire Wells, Violine II Sarah mein Schwester Sarah Rilling Viola Chris Jepsen am Violoncello Und die Frau von Sacha Rettle Zeynep Öschukar am Klavier
00:08:55: Und was man hier gehört hat in der Aufnahme aus, hohen Staufen.
00:09:02: Die Klarinette ist das Instrument, dass diese jüdische Volksmusik, die hebräischen Themen so großartig darstellen kann oder?
00:09:11: Das klingt nach Klässmer-Musik.
00:09:13: Man
00:09:13: erinnert es sehr an Klässme und denkt schon an Jorah Feibmann.
00:09:18: Genau,
00:09:18: genau so ist es!
00:09:20: Wir haben es natürlich so ein bisschen gefragt, wie kommt zu jemand wie der Sascha?
00:09:24: Zu seinem Instrument.
00:09:26: Zur Klarinette...
00:09:27: Genau!
00:09:27: Wir haben ihn dann einfach mal direkt befragt
00:09:31: und das hören wir uns mal an was er uns erzählt hat.
00:09:34: Ich habe viele verschiedene Instrumente als Kind ausprobiert sowie Klavier, Galga & Cello Und die alle haben irgendwie für mich nicht funktioniert Als ich acht war.
00:09:44: meine Kusine Niki hat Klarinettel gelernt und ich konnte gleichzeitig eine ziemlich schöne Klang machen.
00:09:50: Ich bleibe daran und bin jetzt Klarinettist.
00:09:53: Als Klarinetist, es wäre schwer die Stücke von Brahms nicht zu wählen.
00:09:58: Alle vier späteren Stücken – die zwei Sonaten Trio und Quintet – sind für mich einfach
00:10:05: perfekt
00:10:06: konstruiert und haben so viele Möglichkeiten für Ausdruck und Bedeutung.
00:10:11: Die sind einfach unseren perfektesten Stücker glaube
00:10:15: ich.".
00:10:16: Und in Hunstaufen gab's Ein kleiner Schwerpunkt Clarinette beim letzten Festival.
00:10:22: Das kann man so sagen, denn du hast da noch ein anderes Stück ausgesucht.
00:10:27: Du spielst auch gleich mit in der Aufnahme, die wir hören werden.
00:10:30: Das ist Aram Kachaturjan sein Trio für Clarinetta, Violine und ebenfalls wieder Klavier.
00:10:39: Das is auch so'n Stück wo man denkt, die Clarinete iß nen Instrument das mit der Volksmusik doch sehr eng!
00:10:46: verbunden ist, oder?
00:10:47: Ja.
00:10:47: Total ja!
00:10:48: Also man kennt Catatruera eigentlich glaube ich hauptsächlich durch seinen berühmten Säbeltanz.
00:10:54: das ist doch der geht so... Ist es das?
00:10:58: Ja und
00:11:01: das ist... Das
00:11:02: ist vielleicht
00:11:04: der Bergkönig.
00:11:04: Ich würde mich verwechseln immer.
00:11:05: wie geht denn jetzt nochmal der Säbeltanz?
00:11:07: sag mal du
00:11:08: singen kann ich den jetzt auch
00:11:09: nicht doch den kennt man.
00:11:20: Das ist auf jeden Fall in jedem Zirkus-Nummer, das irgendwie vertreten.
00:11:26: Ich war ja dieses Jahr auch wieder am Zirkuss.
00:11:27: Circus Ron Cali mit dem DSO, was ja deutsche Sinfonieagäste Berlin machen jedes Jahr, dass sie da mit dem Zirkuse spielen und ich glaube die haben es auch gespielt wie da.
00:11:37: Ja
00:11:37: würde passen!
00:11:39: Und eigentlich ist es natürlich so, das ist ein total effektvolles Stück.
00:11:43: gerade für sowas Und für Kacatorian war es aber der Inbegriff seines realistischen Sozialismus.
00:11:49: Das ist also Musik für die breite Masse, das ist die Inszenierung, das auch Propagandamusik und damit ist er im Grunde genommen bekannt und berühmt geworden.
00:12:00: Eigentlich ab den frühen Dreißiger Jahren überhaupt keine Kammermusik mehr geschrieben.
00:12:05: Er
00:12:06: durfte ja eigentlich nicht, weil die gedacht haben ... Weil die ihm gesagt haben, das gehört irgendwie zu westlichen Welt und es war ja verpönt bis der wollte man nicht ...
00:12:13: Das ist total spannend oder?
00:12:15: Kammer-Musik ist subversiv, ist potenziell intellektuell gefährlich.
00:12:20: Da sieht man auch noch mal wie gefährlich so jemand wie Shostakovich gelebt hat, der nun wirklich viel Kammer Musik geschrieben hat in der UDSSR.
00:12:28: Aber Katschatoyan geht sozusagen eher den stromlinienförmigen Weg und umso toller ist es, dass wir so ein Stück haben von ihm eben neunzehnzeizweiunddreißig das ist das Ende seiner Studienzeit dieses Trio für Klarinette Geige Klavier.
00:12:44: Es hat richtig Jessica-Färbung.
00:12:46: also man denkt manchmal wirklich, dass er es total improvisiert.
00:12:50: Das ist toll!
00:12:51: Ein super Stück.
00:12:53: Wollen wir einfach mal ...
00:12:54: Wir hören mal rein in den ersten Satz.
00:12:56: Das haben wir auch im Festival mit Sascha Rattl am Klavier gespielt, seine Frau Senip Öshuka und ich selbst hab mich gespielt.
00:17:27: Und man hört eben auch wo der herkommt?
00:17:30: Genau.
00:17:31: Die Wurzeln, die er hat ... Er kommt ja aus Armenien und Georgien geboren mit armenischen Wurzeln.
00:17:38: Das ist diese kaukasusbeheimatete Volksmusik, wo die Klarinette natürlich dazugehört und bestimmte Tonleitern anders sind als wir das in der Mitteleuropäischen Musik kennen.
00:17:50: Und das führt dazu, dass man diesen exotischen Touch auch hat.
00:17:54: Das wird so ein bisschen orientalisch fast
00:17:57: schon.
00:17:58: Nach diesem kaiserlichen ... Wie hießen die denn früher?
00:18:02: Die
00:18:02: Janitscharen.
00:18:04: Ja, solche ... wie hießen sie denn noch mal?
00:18:07: Diese Kaiser, die früher in Russland und ... Die Zaren.
00:18:12: Hatten die nicht einen anderen Namen?
00:18:15: Nee okay!
00:18:18: Okay, ist ja auch egal.
00:18:19: Auf jeden Fall denkt man da immer an so ein bisschen Scherazat und Rimsky-Korsakoffen diese Tausenden eine Nacht.
00:18:26: Da gibt es natürlich auch die Sultane ... Das
00:18:28: meine ich
00:18:28: jetzt!
00:18:29: Die Sultanin, die meinte ich.
00:18:32: Dann sind wir doch wieder bei den Janitscharen, denn das sind ja dann die Militäregimenter, die auch Janitscharen Musik gespielt haben.
00:18:40: Wo die Klarinetten unter anderem mit dabei sind.
00:18:43: und jemand der das ganz toll fand war Wolfgang Amadeus Mozart.
00:18:48: Der das in der Entführung aus dem Serai z.B.
00:18:51: kräftig
00:18:52: verwendet
00:18:52: die Janitschanenmusik und der total begeistert war von dem Instrument Clarinette.
00:19:00: Der kommt irgendwann ... Ich glaube, siebzehnhundert achtundsebzig nach Mannheim.
00:19:06: Und dann werden da Sinfonien von einem Komponisten, den man vielleicht nicht mehr so gut kennt, aufgeführt von Karl Starmitz und der verwendet damals schon Klarinetten.
00:19:16: Und Mozart schreibt an seinen Vater in Salzburg, ach hätt ich doch bloß Klarinetti!
00:19:22: Salzburger Hofkapelle ist ein Erstfürstärzbischof in Salzberg.
00:19:26: die Salzburger Klarinetten bekommen, da ist Mozart längst tot.
00:19:33: Aber Mozart geht ja dann nach Wien und in Wien komponiert er doch sehr viel für dieses Instrument.
00:19:40: Was glaubst du?
00:19:41: Warum fand Mozart die Klarinette so toll?
00:19:44: Das Fremde fand der spannend und das kommt auch aus dem Volkloristischen.
00:19:50: Auch damals schon hat er das bestimmt ... Super gefunden, wenn irgendwo getanzt wurde.
00:19:56: Absolut!
00:19:57: Der hat doch auch das Kegelstadt-Trio,
00:20:01: was ja sozusagen
00:20:01: nach einer Kegelparn benannt ist also Halodri und das ist ja auch für Klarinette in der Originalversorgung mit.
00:20:09: Also zum Beispiel und dann gibt es
00:20:11: fast
00:20:11: keine Sinfonie mehr bei den späten Sinfonien wo keine Klarinetten besetzt sind.
00:20:16: Es gibt das berühmte Klarinettenkonzert.
00:20:20: Ist es so jenseits von Afrika, die Filmmusik ist stark?
00:20:25: Klarinettenkonzert.
00:20:26: Und das ist sehr auch ... Ich glaub, dass Klarinetten Quintet, um was es jetzt bei uns gehen wird war zuerst da oder?
00:20:33: Das Quintett zu erst und dann das Konzert genau.
00:20:37: Dann
00:20:37: fand er das so schön.
00:20:39: Eben den zweiten Satz hat er direkt komplett übernommen für das Konzernt weil er gedacht hat wenn sowas so schön ist muss man das einfach wiederholen.
00:20:48: Ja
00:20:48: ich glaube wir hören gleich mal rein Was für Mozart Ganz reizvoll wahr ist, dass er immer gedacht hat.
00:20:55: Die Klarinette kann die menschliche Stimme so schön abbilden und auch die Traurigkeit und das sentimentale und das auch ambivalente in den Gefühlslagen, das heitere und ein bisschen ... Bedrückte, verhangene.
00:21:11: Das kann die Klarinette so wunderschön zum
00:21:13: Ausdruck bringen.
00:21:14: Und diese ganze Klarinettenkündheit ist ja einfach so ein Meisterwerk.
00:21:18: Heutzutage denkt man ja manchmal das Mozart ist so klassisch und viele finden es dann auch mal so ein bisschen spießig-klassisch wenn man das nur so hört und sich damit nicht wirklich auseinandersetzt wie ... Genial, da jede einzelne Note komponiert und durchdacht ist.
00:21:33: Da ist ja keine Note einfach so dahingeschrieben, sondern die hat immer eine Bedeutung, warum jetzt eine Linie ... Es wird immer spannend gemacht.
00:21:46: Immer die spannende Variante wählt der.
00:21:48: Hören
00:21:48: wir doch vielleicht mal in den zweiten Satz von den Zweiten.
00:21:52: Nehmen wir das Lagetto und hören mal ne Aufnahme aus Hohenstaufen.
00:25:08: Es ist einfach wunderschön.
00:28:25: Das ist wirklich
00:28:26: zum Weinen-Schein.
00:28:27: Eine nette Melodie, wie die sich entfaltet und ... sich fortentwickelt.
00:28:33: So eine indienische Melodie, wie das mit diesen Tonleiterfiguren nach oben geht in der Durchführung und plötzlich wird es dann aber auch wieder so ganz ruhig und erklärinatist.
00:28:45: In dem Fall jetzt hier.
00:28:46: Jörg Miedmann spielt eine so wundervolle Kandenz bis es wieder im Pianissimo übergeht und dass ist einfach wirklich bezaubernd!
00:28:54: Das ist so schön!
00:28:55: Ja
00:28:56: ja und ich habe auch noch mal Ein bisschen rumgestöbert, was denn so die lieben Kollegen über Mozart's clarinetten Quintet gesagt haben.
00:29:05: Und dann gibt es also ganz überraschende Funde.
00:29:07: zum Beispiel Arnold Schönberg der ein riesiger Fan dieses Clarinettenquintets gewesen ist und gesagt hat das is ne Schönheit, die da zum Ausdruck kommt.
00:29:19: Das klingt jetzt ein bisschen komisch,
00:29:21: aber
00:29:21: was er meint ist völlig klar.
00:29:24: Das ist eine Schönheit, die liegt unter der Oberfläche.
00:29:27: Man kann das einfach hören und genießen.
00:29:30: Aber es ist da so viel versteckt.
00:29:32: Es ist so fein gemacht,
00:29:35: dass
00:29:35: es einen wirklich zutiefst berührt.
00:29:37: Das geht mir auch gerade bei dieser Aufnahme.
00:29:38: Du hast ja schon gesagt, das spielt der Jörg.
00:29:41: Sagen wir noch mal wer sonst noch mit dabei ist?
00:29:43: Genau also Felix Nickel spielt Willon Cello Isabell Carisius, eine ganz gute alte Freundin von uns.
00:29:51: Die spielt da Viola.
00:29:53: Lena Neudauer, zweite Violine und ich spiel die erste Violine ... Von zwei Tausendzehn?
00:29:59: Genau!
00:29:59: Schon ganz schön lang
00:30:00: hier.
00:30:01: Und da der Jörg eben... in Hohenstaufen.
00:30:04: Jörg Wiedmann ist uns schon mal begegnet, nämlich in der Pilotfolge.
00:30:08: Unseres Podcast, wenn ihr euch erinnert, handelt AD Beats haben wir euch damals vorgestellt?
00:30:13: Genau.
00:30:14: Damals haben wir das ja doch verglichen mit den Technosongen.
00:30:17: Jetzt aber ganz anders.
00:30:20: Da spielt er so schön Clarinette.
00:30:22: Er dirigiert auch sehr viel mittlerweile und den meisten ist vielleicht als Komponist bekannt.
00:30:29: Der ist eigentlich ein Komponnist war ein wirklich sehr renommierter, vielleicht einer der bedeutendsten lebenden deutschen Komponisten überhaupt gerade.
00:30:40: Der ist auch immer in der Welt unterwegs und so und ist aber ein alter Freund von uns.
00:30:43: also er kommt doch mal wieder hier vorbei mit David ja zur Schule gegangen die selbe Klasse Und
00:30:51: deswegen haben wir es uns nicht nehmen lassen?
00:30:54: Genau, wollten wir auch unbedingt ein Stück von ihm natürlich aufhören.
00:30:58: Oder was meintest du nicht nehmenlassen?
00:31:00: Den Jörg mal zu fragen!
00:31:01: Ah ja genau!
00:31:02: Wie er denn eigentlich zur Klarinette gekommen ist... Ja, das soll das jetzt machen.
00:31:07: Du sagst ja als Komponist ist er nur wirklich ganz vielen Menschen bekannt.
00:31:11: aber er ist eben auch ein ganz toller Musiker und Instrumentalist.
00:31:16: Das wollten wir doch gerne mal wissen, was ihn da so besonders fasziniert.
00:31:20: Ja
00:31:20: das soll er uns jetzt mal erzählen!
00:31:22: Das Mozart clarinetten Quintet – ein wunder Stück Musik, was übrigens gleich am Anfang eine falsche Fährte legt.
00:31:30: Er anunzierte nämlich das Stück in A-Dur aber gleich der vierte Akkord geht nach Fissmoll.
00:31:37: Hätte ein Fehler sein können bei Mozart natürlich nicht, aber hätte ja ein Fehler sehen können.
00:31:41: und an gleicher Stelle beim achten Akkort rastete es wieder in den Moll ein.
00:31:45: Und diese falsche Fährte, das bewahrheitet sich dann im zweiten Thema.
00:31:50: Wo die erste Geige eine selbstfirmenzeitsche Verhältnisse wirklich fast noch überirdischere Melodie spielt und die Klarinette in Moll antwortet, fast sehr pentinenartig... ...und die Mittelstimmen spielen Synkopen.
00:32:05: Ja,
00:32:06: bam, bam!
00:32:07: Das ist also wie etwas Atemloses, Agitato-Charakter Herzschlag Und ich würde wirklich sagen, dass über das Stück hinweg dieses Moll, diese was wir in der Musik sehr schön Trugschlüsse nennen.
00:32:19: Das Moll und diese Dissonanzen in einer gewissen Weise immer wichtiger und auch stärker werden.
00:32:26: Der zweite Satz ist natürlich unsterblich schön – sehr verwandt mit dem zweiten Satz aus dem clarinetten Konzert.
00:32:34: Gleiche Tonart, D-Dur, gleiche Anfangstöne und fast identische Wellenbewegung in den Streichern.
00:32:43: Und das ist im Prinzip eine ja eine Liebesarie oder zumindest einfach eine große Musik der Freundschaft die sich da entspint.
00:32:53: und er nutzt dann den ganzen Registerreichtum der Clarinette auch und an entscheidenden Stellen geht er da also ganz Ganz nach unten, ganz in die tiefe Lage.
00:33:03: Um dann wieder so Panistin sein zu können... Also der Mozart hat schon vielleicht mit Weber und Brahms zusammen unser Instrument Die Klarinette verstanden wie kein anderer.
00:33:16: Jetzt bin ich gerade im Budapest im Künstlerzimmer weil gleich unser Konzert losgeht.
00:33:22: Deshalb wurde mein letzter Satz abgeschnitten.
00:33:25: Ich weiß nicht mehr wie er lautete Ja doch!
00:33:27: Ich sag Ihnen vielleicht noch einmal Dann könnt ihr vielleicht schneiden.
00:33:32: Mozart hat wie vielleicht kein anderer, vielleicht nur Camarilla von Weber und Johannes Brahms unser Instrument die Klarinette wirklich verstanden und gefühlt eben wie in diesem Mozart-Klarinetten Quintet und dem Mozart- Klarinettenkonzert.
00:33:49: Mein Jagdquartett ist das dritte von mittlerweile zehn Streichquartetten, die allerdings wiederum in zwei unterschiedliche Zyklen unterteilt sind.
00:34:01: Die Streichquartette Nummer sechs bis zehn, sind alles Beethoven-Studien, Beethoven-Omarstücke und als ich das erste Streich Quartett damals aus dem Jahr nineteen siebenundneunzig angefangen hatte wusste ich noch überhaupt nicht dass da ein Zyklus draus werden würde.
00:34:20: Es ist ja auch so als junger Komponist, man setzt sich nicht einfach hin und schreibt sein erstes Streichquartett.
00:34:26: Sondern da lastet diese besondere Belastung auf den Schultern weil natürlich die Königsdisziplin allein was Heiden geschaffen hat in den Streich-Quartetten Mozart, Beethoven der späte Beethoven dann in unserem oder im zwanzigsten Jahrhundert Bartok Shostakovich Ravel Debussy, was es da alles gibt.
00:34:49: Die Brahmsquartette Schubert
00:34:51: etc.,
00:34:52: da setzt man sich nicht so einfach hin und ich hatte gar nicht vor ein Zyklus zu schreiben sondern erst vier Jahre später als ich dann das zweite Streichquartett, das Koralquartet geschrieben habe, hab' ich gemerkt Mensch!
00:35:04: Ich bin mit diesem Thema noch lange nicht fertig.
00:35:08: Zyklus schreiben aus fünf Quartetten und jedes einzelne dieser Quartette entspricht sozusagen einer archetypischen Satzform in der Klassik, da die Introduktion wäre eine Einleitung.
00:35:23: Also das erste Streichquartett wäre so etwas wie die Introduction, das zweite ein extrem langsamer Satz.
00:35:29: Das dritte, das Jahrquartet würde dem Skerze entsprechend ein Andante und beim Fünften kommt eine Sobranstimme dazu, die Texte aus der Bibel aus dem Prediger Salomon singt.
00:35:43: Versuch über die Fuge!
00:35:44: Also keine Fuge aber ein Versuch... ...über die Füge.
00:35:49: Man weiß ja aus den Skerzi zum Beispiel bei Maler und bei Shostakovich also aus der Symphonik des zwanzigsten Jahrhunderts Frühen-zwanzigste Jahrhunderte Weiß man dass das Kerzo nicht mehr nur lustige, schenkelklopfende, witzige Stücke waren.
00:36:08: Bei Shostakovich und gerade bei Maler, da wendet sich dieses Lustige schon gegen den, der es aufschreibt.
00:36:16: Das hat etwas Fass-Zuizidales in der Maler Sechsten zum Beispiel, dieses Kerzo ist kaum mehr lustig.
00:36:25: oder schon mit Beethoven kommt eben ein ganz grimmiger Humor hinein.
00:36:29: Und wenn man sich meinen Jagdquartett anschaut, wird man sehen das durchgehend von vorne bis hinten gibt es diesen berühmten punktierten Rhythmus aus dem ersten Satz der siebten Beethoven.
00:36:43: Der Regelrecht dekonstruiert wird.
00:36:45: also es geht ganz gesundlos in Aduur mit einem bekannten Volkslied Es klappert die Mühle am Rauschenden Bach was allerdings auch im Schumann im schumannischen Gesamtwerk immer wieder eine ganz wichtige Rolle spielt, dieses Motiv.
00:37:00: Es geht also ganz gesund los mit vier zur Jagd blasenden Jägern und es wird eigentlich immer mehr dekonstruiert.
00:37:08: Dieses Stück bis am Schluss wirklich nur noch Haut- und Knochen übrig bleiben und dann am Schluss der arme Chillist von den Kollegen und Kolleginnen sozusagen tatsächlich erlegt wird.
00:37:22: am Schluss Also ein drastisches Stück, wo das was einmal ein Scar so war doch auf die Spitze getrieben wird und auch extrem in Frage gestellt wird.
00:37:31: Trotzdem hoffe ich dass man am Schluss obwohl da tatsächlich dieser todtheatralische Tod passiert ist, dass man doch mit einem Schmunzeln auf den Lippen aus dem Konzerntsal herausgeht wenn man das Stück gehört hat.
00:37:46: Ja, also ich weiß das ja einfach ein extremer Fan von Mozart ist.
00:37:50: Ich hab da immer wieder ... Der macht auch immer wieder solche Radiosendungen in denen er über die Musik erzählt und berichtet.
00:37:58: Man hat ja schon live gemacht, haben wir hier mal im Pierre Boulez Saal gehört.
00:38:02: Da sitzt ihr dann am Klavier und erzählt einem ganz genau welche Harmonien waren wo, warum?
00:38:06: Und wie das eine zum anderen leitet und was es für ne Bedeutung hatten, dass es immer so spannend und mitreißen ist wirklich ganz toll!
00:38:12: Jetzt
00:38:13: haben aber gedacht, wir möchten eigentlich auch gern was vom Jörg hier spielen.
00:38:18: Und wenn man von Mozart kommt, was wäre da eigentlich passender als das Jagdquartett?
00:38:24: Von Jörc Wiedmann!
00:38:25: Denn es gibt ja ein Mozart-Streichquartet des Bedur-Quartets, was auch den Beinamen Jagd-Quartet hat wegen des ersten Satzes – das klingt so, als wenn zu Jagd geblasen wird und der Jörgg hat jetzt tatsächlich sein drittes Streichquatett geschrieben, dass er dann ... Jagdquartett genannt hat.
00:38:44: Warum
00:38:45: eigentlich?
00:38:45: Es
00:38:45: hat ja im Jahr three geschrieben, ne?
00:38:47: Hat jetzt schon fünf Quartette oder wieviel?
00:38:49: Ja
00:38:49: und sogar noch mehr!
00:38:50: Also ich glaub die ersten fünf hat er so als Zyklus komponiert, wo dann jedes einzelne Quartett ein bisschen die Funktion eines Satzes übernimmt, wie das beim Streichquartet ist.
00:39:01: also das erste Quartet is sozusagen der Eingangssatz, der Kopfsatz... Und das dritte Quartetten des JagdQuartets, über das wir uns jetzt gleich ein bisschen unterhalten Das ist sozusagen die Mitte Dieses Zyklus aus fünf Quartetten.
00:39:14: Und er hat gesagt, das ist so was wie das Herzum.
00:39:16: Das ist ein bisschen wild und etwas verrückt.
00:39:19: Ja genau, warum passt es?
00:39:21: Was denkst du?
00:39:21: Na
00:39:21: ja also wenn's ums Jagen geht dann wird sie auch schon mal ein bisschen verrückt kriegt der eine Angst und der andere rennt weg.
00:39:32: Der andere rennte hier, usw.
00:39:35: Kann passieren.
00:39:36: aber wenn es so ne geordnete Treibjagd ist wird man ja eigentlich denken das ist erst mal alles im Lot.
00:39:41: Und das ist ja wirklich ein ganz irres Stück.
00:39:44: also was der Jörg macht ist dass er einen Motiv benutzt von Robert Schumann aus einer Sammlung von Klavierstücken Papillon Schmetterling wird es im Deutschen heißen und dieses Thema nimmt er zu Beginn dieses Streichquartets, das Jagdquartetz.
00:40:00: Und das ist natürlich wahrscheinlich doch ein Zeichen.
00:40:03: Schumann, deutsche Romantik, deutscher Wald, herrliche Jagd... Das ist so'n bisschen das was man erwartet!
00:40:09: Aber wir können ja mal gucken, was dann so passiert.
00:40:12: Ist eben dann doch kein Mozart?
00:40:13: Ja genau.
00:40:14: Wollen wir vielleicht einfach mal den Anfang
00:40:16: führen?
00:43:14: Geordnete Treibjagd isst es
00:43:16: jetzt?!
00:43:17: Also eher nicht, oder?
00:43:18: Nee.
00:43:18: Es ist schon gleich am Anfang recht crazy, dass man denkt, oh, Hilfe da geht's gleich richtig zur Sache und wird extrem wild ... Ja.
00:43:27: Man hat auch ein bisschen das Gefühl, der sind also nicht nur Jäger, sondern auch Holzfeller im Wald die ordentlichen Themen so zu hacken
00:43:33: nach
00:43:34: Herzenslust!
00:43:36: Es is' auch, naja vielleicht doch so n bisschen Schnaps im Spiel.
00:43:39: So Jägers trinken ja auch gerne mal einen.
00:43:41: Das geht so ein bisschen Gerät aus den Fugen alles so Und dann passiert aber auch noch was ziemlich Verrücktes.
00:43:47: Ja,
00:43:48: also am Ende ... Wir hatten das Jahr Zwei-Tausend-Dreizing gespielt mit ... Ich hatte da Erste Geige gespielt.
00:43:54: Nicola Birkan
00:43:55: II.,
00:43:57: Amichai Gross Viola und Hila Karni war am Cello.
00:44:03: Es ist ja so, dass am Ende irgendwie Dicellistin gejagt wird.
00:44:07: in unserem Fall, war es Dicello.
00:44:09: Ähm, und die wird also wirklich da so richtig ... Am Ende kann die nur noch röcheln.
00:44:15: Und man hört es richtig am Schluss.
00:44:17: Da sind nur noch die ... Es ist nur noch so Geräusche von den Streichern.
00:44:22: Also gar kein richtiger Ton mehr.
00:44:24: Sondern das ist nur ein Echzen oder so.
00:44:26: Richtig!
00:44:27: Bis sie am Schluss einfach sterben muss.
00:44:30: Jagdunfall.
00:44:33: Ja, irgendwann hat man das Tier dann halt auch gefangen.
00:44:35: Ja.
00:44:37: Also?
00:44:38: Ja, und dann äh ... könnt ihr jetzt noch mal hören, wie sie sich dann genau verabschiedet.
00:44:44: Und das tun wir auch und wünschen euch ganz viel Spaß mit dem deutschen Waldesleben!
00:44:50: Genau und freuen uns, euch bald wieder begrüßen zu dürfen.
00:44:54: Macht's gut!
00:44:54: Tschüss!
Neuer Kommentar