#9: Vive la France!
Shownotes
In dieser Folge unternehmen Rahel und Carsten eine musikalische Spritztour nach Frankreich. Das besondere „savoir vivre“ fasziniert die beiden, und sie spüren diesem Lebensgefühl unter anderem in der Musik von Maurice Ravel und Ernest Chausson nach. Aber auch die französische „clarté“ wird in der spirituellen Tonsprache Olivier Messiaens hörbar. Und was wäre unser Nachbarland schließlich ohne die wunderbar eingängigen Chansons?
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00:00:01: Taktvoll und zeitlos.
00:00:03: Der Hohen Staufen Festival Podcast mit Rahel Rilling und Karsten Kretschmann
00:00:15: Ja, da sind wir wieder hallochen.
00:00:18: Hallo auch von mir.
00:00:20: Was machen wir denn heute?
00:00:22: Heute wollen wir uns mal um französische Musik kümmern also wollen wir mal darüber berichten.
00:00:30: es geht um das Ende der Zeit bis hin zum Chanson Finde ich auch.
00:00:39: Dann starten wir mal!
00:00:41: Ja, also wir hatten ja letztes Mal Jörg Wiedmann, Clarinette.
00:00:46: der hat auch folgendes Stück mit uns beim Festival gespielt es geht um das Quartet vom Ende der Zeit ist eigentlich ein französischer Titel ist Quatuor.
00:00:58: Du musst uns glaube ich das nochmal beibringen lassen.
00:01:05: Genau, und das ist ein
00:01:07: achtsetziges
00:01:08: kammermusikalisches Werk von dem französischen Komponisten Olivier Mécien.
00:01:13: Den Namen habt ihr vielleicht schon mal gehört – vielleicht nicht!
00:01:17: Das ist ein Komponiß der eigentlich so das zwanzigste Jahrhundert gelebt hat, wenn man so will, von den Lebensdaten geboren.
00:01:28: Und bekannt geworden ist er vor allem in einer sehr speziellen Form von sakral inspirierter Musik.
00:01:36: Das ist schon eine Musik, die immer eine sehr metaphysische Ebene hat.
00:01:40: Eine spirituelle Ebene.
00:01:43: Ja, ein sehr
00:01:43: spiritueller Mensch war der auf jeden
00:01:45: Fall.
00:01:45: Und das klingt ja auch im Titel des Werks an.
00:01:50: Quartett ... über das Ende oder für das Ende der Zeit.
00:01:57: Ich glaube, Theologen würden sagen eschatologische, also endzeitliche Perspektive jüngstes Gericht Apokalypse genau das.
00:02:08: und dann ist es ein bisschen verrückt.
00:02:09: Für welche Instrumente ist es komponiert?
00:02:12: Klarinette, Violine, violoncello und Klavier.
00:02:15: Und
00:02:15: das ist nämlich wirklich so ungewöhnlich dass man nachdenken muss, welche Instumente da spielen.
00:02:21: Und der Grund ist ein ziemlich ernster Grund im Grunde genommen.
00:02:26: Zweiter Weltkrieg, Der deutsche Überfall auf Frankreich, der sogenannte Blitzkriege Niederlage der französischen Armee.
00:02:34: und Olivier Missien kämpft in der französischen Armée und gerät in deutscher Kriegsgefangenschaft und landet dann in einem kriegsgefangenen Lager mit vierzigtausend anderen französischen Kriegs gefangenen Görlitz.
00:02:50: Dass man sich den in Görliz vorstellen kann, in einem Gefangenenlage?
00:02:54: Das ist Ende... ... und Messien hat schon in Frankreich angefangen zu komponieren an diesem Stück von dem wir jetzt gleich Ausschnitte hören werden.
00:03:08: Aber so richtig fortsetzen kann er das dann in diesem Kriegsgefangenenlager.
00:03:12: Der Lagerkommandant stellt ihm ein Klavier zur Verfügung, in den Umkleideräumen kann geprobt werden.
00:03:21: und warum das jetzt ausgerechnet?
00:03:23: Klarinette, Violine, Cello und Klavier sind die Instrumente?
00:03:28: Das hängt einfach damit zusammen dass genau diese Instrumenten dort, die diese Instrumente da vertreten waren.
00:03:34: Da waren Menschen, die das gespielen konnten.
00:03:37: Und zwar nicht viele andere wahrscheinlich,
00:03:39: ja?
00:03:39: Instrumentalisten!
00:03:40: Das ist doch irgendwie Wahnsinn dass so jemand der sowas fein geistiges schreibt wie er es macht und so spirituelles und so, dass jemand überhaupt, so jemand überhaupt Soldat werden muss.
00:03:55: Da sind wir heute wieder ganz brandaktuell dran, dass man sich fragt... Welche Menschen alle als Soldat irgendwie funktionieren sollen, was überhaupt nicht passt.
00:04:07: Und jemand der wirklich in der ersten Phase des Zweiten Weltkriegs ... Das ist jetzt nineteenhundertvierzig.
00:04:13: Das ist noch weit vor Stalingrad zum Beispiel.
00:04:17: Dann diese Perspektive schon hat.
00:04:19: das ist der totale Zeitenumbruch.
00:04:22: Das is das Ende der Zeit um dass es hier geht Und zwar in einer religiösen Perspektive, die dann gedeutet wird als das Wiedererscheinen Christi.
00:04:32: Ist nahe – das ist unglaublich!
00:04:35: Weil es zeigt auch diese Anstrengung Sinn herzustellen.
00:04:40: Irgendeine Bedeutung dem Ganzen abzugewinnen was da Schreckliches passiert in diesem Krieg und das dann musikalisch zu bannen, das festzuhalten... Das ist unglaublicheindrucksvoll.
00:04:52: Ja also so wirklich schon gespenstig.
00:04:55: An manchen Stellen klingt das auch wirklich gespenstisch.
00:04:58: Also wenn wir zum Beispiel mal in den ersten Satz reinhören, es hat ja acht Sätze der erste Satz.
00:05:04: Es sind nicht alle acht Sätzen gleich besetzt sondern es gibt zwischendurch ein Stück für Solo clarinette, es gibt einen Stück für solo cello und ganz das allerletzte Stück ist für solo geige.
00:05:20: Der erste Satz ist jetzt eine Liturgie aus Kristall.
00:05:24: Die Stimmen zwischen drei und vier Uhr morgens, das Erwachen der Vögel ... Man hört bestimmte Vögeln.
00:05:31: Könnt ihr mal drauf achten, ob ihr erkennt, welche das sind?
00:09:09: Was haben wir da jetzt gehört?
00:09:11: Habt ihr es erkannt?
00:09:12: Das war... Also einmal gibt's eine Amsel mit auch die Nachtigal.
00:09:20: Das macht die Geige, oder?
00:09:23: Die Triller, die man ganz gut hören konnte.
00:09:25: Vielleicht ist euch das aufgefallen, wo Vogelstimmen nachgemacht werden.
00:09:30: Das ist eine Spezialität von Olivier Messien, die das ganze Werk durchzieht.
00:09:36: Es gibt auch Klavierstücke von Messian, die Vogel stimmen nicht imitieren sondern neu kreieren weil für ihn die Vögel glaube ich die Tiere sind, die die Verbindung herstellen zwischen der Erde und dem Himmel.
00:09:48: Und der Himmel ist sozusagen immer, glaube ich die Perspektive.
00:09:51: Das Ziel der Musik von Messia passt auch hier zum Ende der Zeit.
00:09:57: Ja und deswegen sind auch da diese ... Also das Cello, das erkennt man gar nicht wirklich als Cello.
00:10:02: Das ist eigentlich eher ein Bassinstrument oder ein tiefes Instrument aber das spielt da so ganz hohe Flaschulett-Töne.
00:10:10: Die klingen ja auf wie Vögel schon so.
00:10:13: Und die Geige eben mit diesem... Also schon ziemlich crazy muss man sagen, aber man kann sich diese Morgenstimmung zwischen drei und vier Nachts eigentlich eher Nachtstimmung.
00:10:28: Man kann sich das dann schon wirklich gut vorstellen ... Ja,
00:10:31: wie der Tag
00:10:31: anbricht!
00:10:32: Und wenn irgendwie noch überall so
00:10:34: Nudel... Ja ja, und ich glaube, der Tag der Anbericht ist für Missir der Tag.
00:10:41: Das ist nämlich der Tag des jüngsten Gerichts.
00:10:44: Und in seiner Partitur also in den Noten die er komponiert hat Schreibt er ausdrücklich auch Texte aus der Bibel, nämlich aus der Offenbarung des Johannes.
00:10:54: Also aus der Apokalypse und das ist die Szene wo der Engel des Gerichts erscheint.
00:11:01: Und ich glaube das ist ganz wichtig und interessant zum Verständnis dieser Musik denn wir hören gleich nochmal in den zweiten Satz hinein und da geht es um diesen Engel.
00:11:11: Das ist die Vokalise des Engels der das Ende der Zeit verkündet Und in der Bibel wird genau beschrieben, wie das aussieht.
00:11:19: Der tritt nämlich machtvoll auf die Erde mit einem Regenbogen aber auch mit Kraft und diesen Impetus, diese Bestimmtheit, mit der der Engel nun verkündet Die Zeit ist erfüllt.
00:11:34: Die hört man dem Beginn dieses zweiten Satzes glaube ich sehr gut
00:11:37: an.
00:16:20: Mit dem Regen-Bogen, der ist ja auch in eine Wolk gekleidet heißt es und wir einen
00:16:27: Fuß
00:16:28: auf das Meer und den anderen auf die Erde setzt.
00:16:31: Also, schon muss ja recht groß sein dieser Engel.
00:16:38: Ja, ja ...
00:16:39: Nee!
00:16:39: Aber da werden eben dann also diese unfassbaren Harmonien des Himmels auch beschrieben besonders im Klavier.
00:16:47: wieder so zarte Kaskaden aus Akkorden und die sieht Messia in blau-orange, der hat nämlich in seinen Tönen immer Farben gesehen.
00:17:03: Das wissen wir weil er das aufgeschrieben hat diese Farbkombination.
00:17:07: hast du sowas auch reil manchmal dass du wenn du spielst selbst etwas spiels farben siehst.
00:17:13: also ich hatte wir hatten früher mal ich weiß noch als wir so ein Konzert hatten da war die Sarah dabei und da war eine frau die hat uns immer erzählt dass C auf jeden fall rot
00:17:23: ist
00:17:24: Und irgendwie, finde ich, hat es auch Sinn gemacht.
00:17:26: So C-Dur ist ja so eine ganz starke, feste, sichere Tonart ... Also die Tonarten haben alle schon Charaktere.
00:17:37: Das Demol ist immer ganz traurig und da würde ich eher eine dunkle Farbe sehen.
00:17:42: So kann man das vielleicht schon.
00:17:43: E-Duer ist für mich eher gelb,
00:17:46: strahlend
00:17:46: hell leuchtend.
00:17:50: Aber hier haben wir das blaue Orange, was vielleicht ja doch der Himmel ist.
00:17:53: Das blaue und orange aber auch die Feuergewalt.
00:17:57: Die Erde
00:17:58: ist verbunden
00:17:59: oder die Sonne?
00:18:01: Oder so eine Mischung
00:18:02: von Feuer.
00:18:04: Ja also finde ich auf jeden Fall total spannend Und Messian hat glaube ich das wirklich richtig etabliert mit diesem Farbkonzept.
00:18:14: Ja das gibt es bei Skriabin vielleicht auch, aber für Messian ist es glaube ich ganz zentral.
00:18:20: Und warum wir das Stück jetzt auch gerne euch im Podcast mal näher bringen wollten, darüber sprechen wollten ist.
00:18:28: Dass es natürlich schon so einen Nerv unserer Zeit trifft.
00:18:32: Das Ende der Zeit.
00:18:33: Zeitenwende ist ein Begriff, der in aller Munde ist eine gewisse Radlosigkeit.
00:18:38: Wohin geht das alles?
00:18:39: Wo stehen wir darin und ... Da haben wir in Messien und seiner Musik doch einen Verwandten
00:18:47: ein bisschen entdeckt.
00:18:47: Ja, man muss sagen, obwohl der es ja jetzt ungefähr hundert Jahre her ist, dass er das geschrieben hat ... Das ist gerade wieder aktueller denn je, dass man das gefühlt hat, mein Gott!
00:18:55: Es geht alles irgendwie ...
00:18:58: Man weiß nicht, wie es geht.
00:18:58: Das ist ein bisschen
00:19:00: den Bach runter.
00:19:01: Irgendwie wird alles recht negativ gezeichnet.
00:19:05: Man wünscht sich, dass gäbe mal einen Radio was nur gute Nachrichten sendet
00:19:10: oder Musik hören weil das ist ja so eine Antwort die man beim messier finden könnte das musik eben doch in der lage ist nicht probleme zu lösen Aber einen Sinn herzustellen.
00:19:21: Ein Angebot zu machen, die Dinge mal anders zu betrachten, anders zu verstehen und anders zu verarbeiten ...
00:19:27: Oder auch Trost zu finden oder Hoffnung zu suchen?
00:19:33: Ja.
00:19:34: Jetzt haben wir ja gesagt es geht nach Frankreich waren aber eigentlich jetzt in einem Kriegsgefangenen Lager in Görlitz zunächst einmal.
00:19:43: Aber wir kommen jetzt tatsächlich mal nach Frankreich und bleiben aber vielleicht so ein bisschen beim Thema Epochenumbruch.
00:19:50: Jahrhundertwende, die Zeit um nineteen Hundert das ist auch eine Zeit wo sich sehr vieles für Menschen verändert.
00:19:57: Paris wird zur Welthauptstadt Hauptstadt des neunzehnten Jahrhunderts.
00:20:02: Die Stadt Glitzer die Boulevard sind prächtig Aber viele Menschen wissen auch nicht, wovon sie leben sollen.
00:20:08: Das Leben der Menschen verändert sich brutal von der Landwirtschaft hin zur Industrie.
00:20:13: Wie gehen Menschen damit um?
00:20:15: Das Automobil kommt technisch ... Technik
00:20:19: war damals schon, dass man gedacht hat, jetzt wird alles so vertechnisiert dabei.
00:20:23: Dabei passiert es doch erst.
00:20:25: So ist das Eifelturm!
00:20:28: Aus Anlass der Hundertjahrfeier der französischen Revolution, die ist natürlich das Wahrzeichen dieser neuen Zeit.
00:20:38: Von der man auch noch nicht so genau weiß wie sie werden wird.
00:20:43: und wir haben überlegt was für einen Komponisten würden wir gerne hier Ja, zu Wort kommen lassen und haben gedacht Maurice Ravel.
00:20:51: Ja, Ravel hatten wir ja schon mal in der fünften Folge da ging es um Zigan und ... In der Gypsy-Folge wird sie um Gypsymusik und
00:21:01: ... Hört einfach noch mal rein wenn
00:21:03: ihr ... Hör doch gerne nochmal nach.
00:21:04: Genau!
00:21:05: Hier.
00:21:05: aber jetzt wollen wir das Streichquartett mal genauer betrachten.
00:21:10: Das ist nämlich wirklich auch ein Unglaubliches Stück, das liebt wirklich jedes Quartett.
00:21:15: Jedes Quartet kennt es und ist ein absolutes Lieblingsstück von sehr vielen Menschen.
00:21:22: Und ist gerade in Hohen Staufen zu hören gewesen, zwanzig, fünfundzwanzig?
00:21:28: Daher kommt auch die Aufnahme, in die wir gleich mal reinhören wollen.
00:21:32: Das ist heute wirklich, würdest du auch sagen, kernstücktes Repertoire wenn man denkt an französische Kammermusik dieser Zeit Dass das Lustige ist, dass das Stück aber erst gar nicht so erfolgreich war.
00:21:46: Wie Ravel sich das erhofft hat.
00:21:49: Denn für französische angehende Komponisten gab es eine Trophäe die man in der Hand wollte haben und das war der sogenannte Rompreis also die Möglichkeit ein Jahr in der Villa Medici in Rom zu sein dort zu arbeiten, aber vor allem natürlich auch die Ehre für den Lebenslauf zu haben.
00:22:08: Und Ravel probiert das drei Jahre hintereinander und geht immer leer aus.
00:22:13: Auch mit diesem großartigen Stück hier
00:22:16: hat er keinen
00:22:18: Erfolg.
00:22:19: Kann man sich nicht vorstellen?
00:22:21: Also mal den Gegenbeweis antreten und den Beginn des Ersten
00:22:26: Satzes
00:22:27: hören, Claire Wells du spielst, Hal Und wen hören wir noch?
00:22:33: Den David, der spielt Cello
00:22:35: und
00:22:36: Guy Benzioni.
00:22:37: So ist es!
00:22:37: Viel Spaß!
00:31:06: Einfach eine ganz besondere
00:31:08: Stimmung.
00:31:09: das
00:31:10: sind ja auch diese Ganztöne die da oft drin vorkommen.
00:31:13: schon fast pentatonisch hat man manchmal das Gefühl Französisch aber auch noch mehr.
00:31:18: Also es ist fast ein bisschen asiatisch manchmal angehaucht, finde ich durch diese ganze Pentatonik und die verdichtenden Tremolupassagen mit den Auf-und Ab steigenden Linien bis das dann in so eine Suche, so eine launische, fast so lustige Suche auch herkommt.
00:31:40: Das ist einfach eine ganz wunderschöne Leuchtkraft.
00:31:44: Und spiegelt auch total die Zeit, gerade was du jetzt gesagt hast mit der Pentatonik diese ganzen Töne, die so ins Exotische verweisen.
00:31:53: Total!
00:31:53: Das ist natürlich auch genau die Epoche des Kolonialismus, des Imperialismus, das Ausgleich... Gauguin geht in die Südsee um sich da inspirieren zu lassen.
00:32:02: Die Suche sozusagen nach Urheilenwelt, jenseits der Zivilisation.
00:32:08: Jenseits des Eifelturms... All das schwingt natürlich auch mit.
00:32:12: Bei Debussy gibt es ja Ähnliches,
00:32:14: genau in der Zeit.
00:32:14: Ja, Debussy war übrigens ... Er hat einen Streichquartett geschrieben wie Ravel auch und ich glaub, Debussie war immer sehr kritisch mit Ravel aber das Quartett fand er richtig toll.
00:32:26: Ich glaube, einer der wenigen, der gesagt hat, dass ist ein absolutes
00:32:30: Meisterwerk!
00:32:31: Und das von Kollege zu Kollege?
00:32:34: Das will
00:32:35: was heißen.
00:32:35: Aber jetzt hast du auch gerade gesagt Tänzerisch, rhythmische.
00:32:40: Das ist noch stärker im zweiten Satz glaube ich?
00:32:44: Ja ganz anders.
00:32:45: der zweite Satz ist ja auch.
00:32:47: normalerweise sind zweite Sätze immer so langsame Sätze.
00:32:49: aber da hat er es den schnellen tänzerischen Satz nach vorne gebracht und da kommt jetzt sein spanisches Flair total durch also
00:32:59: dieses
00:33:00: baskische.
00:33:01: seine Mutter war aus dem Baskenland.
00:33:05: Die Spieltechniken sind auch sehr besonders, die gab's bis dahin nicht so viel.
00:33:09: Das beginnt mit alle vier Spielen Pizzicato und das klingt schon fast wie eine ... So ne Gitarre oder sowas.
00:33:18: Es ist richtig cool, da möchte man fast aufstehen und anfangen zu tanzen.
00:33:23: Mach doch mal!
00:33:24: Ja, lass mal hören.
00:33:28: Oley... Also Aufbau zur Mitte hin wird ja geradezu bestialisch.
00:39:43: Zu der Zeit hat auch Emil Solamal einen Roman geschrieben, die beste
00:39:49: Mensch.
00:39:50: Da kann man richtig spüren wie das Tier da aus einem raus muss und das passt absolut auf diesen Satz.
00:39:56: Und passt wirklich zu Paris in dieser Zeit?
00:40:00: Wo mal auf der einen Seite dieses schicke, adrette, stylische, elegante Art.
00:40:06: Auf der anderen Seite dann die Unterwelt.
00:40:09: den Abgrund, das allzu menschliche.
00:40:13: Und wie sich das miteinander verbindet, vermischt ... Das hört man der Musik an und es gibt's natürlich bei vielen anderen Komponisten in dieser Zeit auch oder ähnlich?
00:40:23: Ich glaub da war
00:40:25: auch Ravel seinerzeit schon total voraus, oder?
00:40:28: Ist ja schon so die Zwanzigerjahre, spürt man da schon so ... Dabei war es ja erst quatschen.
00:40:35: Jetzt kommen wir mal zu einem Stück von achtzehn neunundneunzig.
00:40:40: Fünf Jahre früher komponiert, es wirkt aber vielleicht als wenn es noch der Abstand größer wäre zwischen beiden Stücken wie du sagst.
00:40:49: Ravel ist sozusagen doch der Moderne im Vergleich zu Ernest Chousson.
00:40:55: Ja
00:40:55: kennt ihr Ernest Chausson?
00:40:57: Was?
00:40:58: was kennt man vom Chaussant eigentlich
00:41:01: also von Chaussan?
00:41:03: das Poem
00:41:05: Das vielleicht, aber ich glaube eigentlich schon ist es so gar nicht so.
00:41:08: ein bekannter Komponist.
00:41:10: Vielleicht auch weil er relativ früh gestorben ist?
00:41:13: Ja
00:41:13: der ist ja mit vielen vierzig Jahren schon gestorbt an einem Fahrradunfall.
00:41:17: Bei einem Fahrratunfall was das alles geben kann
00:41:19: ne?
00:41:20: Ja schlimm, aber der kam aus einer ganz...
00:41:24: Wohlhabenden.
00:41:25: Wohlhaven
00:41:25: in Familie und waren ganz viele Literaten, Künstler, Maler.
00:41:31: Der hat sich mit vielen Dingen auseinander gesetzt.
00:41:33: Der
00:41:33: ist schon ein richtiges Produkt des Fernsehärkles der Jahrhundertwende.
00:41:37: Also total kultiviert ... Er kann Gedichte schreiben, er kann Bildermahlen, er kan Musik komponieren, muss Jurist werden weil seine Eltern sagen jetzt musst du mal was Ordentliches machen Aber das macht ihm natürlich keinen Spaß.
00:41:53: Und dann nimmt er Kompositionsunterricht und schreibt dann unter anderem Lieder, ich glaube es ist der erste französische Komponist, der was geschrieben hat für Gesangsstimme und ein Kammermusik-Ensemble.
00:42:07: Ja, und jetzt hören wir nämlich auch von Chausson mal ein Chanson.
00:42:13: Und zwar ist das Chanson Perpetuelle.
00:42:17: Das bedeutet einen immerwährender Gesang.
00:42:20: Worum geht's da bei dem?
00:42:22: Dass es die tragische Szene einer vom geliebten verlassenen jungen Frau... Oh je!
00:42:28: ...der Klassiker gibt's halt immer wieder Und das basiert auf einem Nocturne von einem Dichter.
00:42:38: Charles Crores heißt ja, ist jetzt vielleicht gar nicht so spannend, aber so war es und wir haben dieses schönes Stück gespielt mit Magdalena Curgina am Gesang und Simon Rattle war am Klavier, sehr ihrem Mann.
00:42:56: Und Giovanni Guzzo ... Erste Violine, ich hab zweite Violine gespielt.
00:43:03: Amichai Gross-Viola und David Adoyan am Cello Und wir es ist jetzt eine Aufnahme von einem Livekonzert aus Katowice was wir... ...Zwei Tausend Fünfzehn dort gespielt haben.
00:50:39: Das ist schon großartige Musik!
00:50:42: Man hört auch so ein bisschen wenn man drauf achtet was der... Gott war für Schusson, der war nämlich ein großer Anhänger von Richard Wagner.
00:50:52: Und man hört das schon in der Melodieführung diese unendlichen Melodien immer während des Lieds.
00:50:57: Das passt ja ganz gut dazu.
00:51:00: Ja
00:51:01: wir haben mit diesem schönen Stück auch eine CD aufgenommen die heißt Zoiré und da sind ganz viele Chansons drauf also natürlich Musikstücke die eigentlich Lieder sind oder von vielen Franzosen, also Ravel ist auch drauf.
00:51:20: Aber auch Ophelia-Lieder von Brahms oder was von Strauss.
00:51:26: Ich könnte gerne mal reinhören wenn ihr Lust habt.
00:51:30: Soiree.
00:51:30: Und Soirees passt natürlich super zu unserem Frankreich Thema heute in der Folge bei uns hier.
00:51:37: Sooree Parisienne könnte man sagen.
00:51:39: Auch Chousson hatte seinen Salon in Paris wo ganz Paris zu Gast war Und da wurde natürlich nicht nur diese Art von Musik geschätzt und gesungen und gespielt, sondern da wurde auch Party gemacht und gefeiert.
00:51:54: Da wurden ganz andere Chansons gesungen, nämlich Chanson, die man in Varietés Cabaretts bei Revueen in dieser Zeit hören konnte.
00:52:06: So was gab es in Deutschland glaube ich gar nicht so in der Zeit oder solche?
00:52:10: So Chanson ist irgendwie so was Schönes und sowas Französisches.
00:52:14: Ist eigentlich bis heute so, ne?
00:52:16: Also der deutsche Schlager hat mit dem französischen Chanson eigentlich gar nichts.
00:52:20: Oder
00:52:20: das Volkslied ist irgendwie ja auch nicht so richtig dasselbe.
00:52:24: Und es gibt eben auch in Frankreich diese ganz berühmten Sänger, Sängerin der Chansonstier.
00:52:30: Unglaublich!
00:52:30: Es sind Idole in der französischen Gesellschaft immer schon gewesen.
00:52:35: und wir wollen jetzt mal zum Schluss unserer heutigen Folge an eine solche Chansonière erinnern – nämlich an Mr Gett.
00:52:44: Das ist im Namen den Kettmann vielleicht heute gar nicht mehr.
00:52:46: die war aber in ihrer Zeit super berühmt Hat ihre Beine, weil sie so eine tolle Tänzerin war, versichern lassen?
00:52:53: Das war die erste Frau.
00:52:54: Für fünfhunderttausend Frauen ließ sie ihre Beinen versicheren.
00:53:01: Und als aber zum Beispiel Chausson seinen Chanson komponiert hat, da war Mr.
00:53:09: Gett, vierundzwanzig Jahre alt schon längst in Paris angekommen.
00:53:13: begonnen hat er als ... Blumenverkäuferin in so einer kleinen Bar, im kleinen Restaurant.
00:53:18: Dazu hat sie ihre Liedchen gesungen.
00:53:20: Irgendwann ist sie entdeckt worden und dann ging es los.
00:53:23: Dann hat sie gesungen bei den Folies Berger und Moulin Rouge selbstverständlich und war international super bekannt.
00:53:33: Ja die hatte dann auch ein also verschiedene Liebschaften unter anderem sogar mit dem Indischen Prinzen mit König Alfons von Spanien.
00:53:44: Den Prinzen auf Wales sogar, der dann später König verenglant wurde?
00:53:50: Also die war schon
00:53:51: ganz ... Heiße Frau
00:53:52: ja!
00:53:53: Und die wusste auch wovon sie sangen.
00:53:55: wir hören jetzt gleich vielleicht einige berühmtesten chansons mon nom mein Mann eben nicht Mon-Marie das wäre mein Ehemann.
00:54:05: nein nein mein Mann mon nom
00:54:07: Ja, in dem es eigentlich darum geht, dass ... obwohl der Mann auch nicht immer so nett ist.
00:54:13: Wie hat sie's so schön?
00:54:15: Der ist ...
00:54:17: So is er und ich lieb ihn trotzdem.
00:54:19: Er hat kein Geld, der ist nicht nett zu ihr aber im Total verfallen und liebt ihn
00:54:25: überall.
00:54:26: Ist das nicht schön!
00:54:27: Das ist sehr schön.
00:54:29: Damit schließen wir die heutige Folge.
00:54:31: Schön, dass ihr dabei wart.
00:54:33: Bleibt uns gewogen.
00:54:34: Wir freuen uns wenns weitergeht mit euch.
00:54:37: Jetzt wünschen wir euch ganz viel Sentiment aus Paris mit diesem Genau.
00:54:43: Tschüss!
00:54:53: Das ist ein Idiot.
00:55:01: Er hat mich geblieben, er hat mir geschlafen!
00:55:09: Ich
00:55:10: bin gestorben und zwar alles was du willst.
00:55:18: Ich
00:55:20: war so in der
00:55:25: Pfanne, ich bin Marton, als er mich stammte.
00:55:39: Ich habe ihn, wenn seine Augen auf mich befinden.
00:55:45: Es gibt immer noch etwas.
00:55:51: Ich leh' tellement dans
00:55:53: la
00:55:53: peau, qu'on moindre mon.
00:55:56: Il me ferait faire n'importe quoi.
00:55:59: J'turais ma foi.
00:56:01: Je sens qu'il m'offrait venir un femme Mais je ne suis qu'une fois Et j'leai tellement dans l'apour Le quitter.
00:56:18: c'est fou ça comme on t'offaire d'autres hommes Entre nous.
00:56:24: Voyez-vous,
00:56:26: il ne vale
00:56:26: pas très cher tous les hommes.
00:56:32: La femme
00:56:33: à vrai
00:56:33: dire n'est faite que pour souffrir par les Hommes.
00:56:41: Dans les balles j'ai couru afin
00:56:44: de l'oublierer.
00:56:45: J'ai bu rien a faire.
00:56:49: Ich bin wie ein Tier, es ist
00:56:51: nicht möglich.
00:56:54: Es ist wie ein Link,
00:56:57: der mich hält.
00:56:58: Ich lebe so in die Pfanne, ich bin von einem Geist, als jemanden,
00:57:04: den
00:57:06: man nicht kennt.
00:57:08: Auch
00:57:09: das
00:57:10: ist, um die erste Runde zu kommen, hat mir die Pfeil geklappt!
00:57:22: An avoir un dans la
00:57:24: peau C'est le pire des mots Mais c'est connaître l'amour Sous son vrai jour.
00:57:33: Et je dis qu'ils font pardon
00:57:38: Quand une femme
00:57:40: s'endom
00:57:45: Quelle
00:57:46: a dans la pa...
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